Keller oder Bodenplatte – nicht nur die Kosten sind entscheidend

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Bei einem Haus rechnet man mit einer Lebensdauer von mindestens einhundert Jahren. Natürlich ist es egal, ob es einen Keller hat oder nicht. Aber unbestritten spielen das Fundament und die Bodenplatte im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Rolle. Wer baut, muss häufig mit dem Geld haushalten und versucht, unnötige Kosten zu vermeiden.

Immerhin kann der verfügbare Betrag nicht ohne weiteres vermehrt werden. So überlegt mancher Hausbauer, ob er wirklich einen Keller braucht und wie viel er spart, wenn er das Haus auf eine Bodenplatte stellt. Die Entscheidung, ob am Keller gespart werden soll oder besser nicht, ist aber nicht nur eine Frage des Preises. Es gilt, auch auf andere Argumente zu achten und abzuwägen. Die Entscheidung für einen Keller oder eine Bodenplatte will gut überlegt sein.

So viel kostet ein Keller

Für Keller gibt es keine einheitlichen Preise. Abhängig von Größe, Ausstattung, Bodenbeschafftenheit und Grundwasser sowie vom Energiestandard wird der Kaufpreis für den Keller kalkuliert. Zum Beispiel kann man bei einem frei stehenden Einfamilienhaus mit ungefähr 80 Quadratmetern Grundfläche im Preis von 35.000 bis 80.000 Euro variieren, je nach Aufwand kann der Keller aber noch teurer werden.

Grundsätzlich gilt: Der Kellerbau wird umso teurer, je schwieriger die Bodenverhältnisse sind. Dabei kann zum Beispiel eine Hanglage, ein sumpfiger oder felsiger Untergrund den Aufwand für den Kellerbau erhöhen. Da in manchen Regionen der Grundwasserspiegel relativ hoch ist, baut man meist ohne Keller. Ansonsten muss wasserundurchlässiger Beton verwendet werden, das die Kosten in die Höhe treiben kann. Auch im Hochwassergebiet kann ein Kellerbau schwierig und teuer werden.

So viel kostet eine Bodenplatte

Wenn die Erstellung der Bodenplatte unkompliziert ist, dann muss der Bauherr mit Kosten von zirka 150 bis 200 Euro pro Quadratmeter rechnen. Damit würde die Bodenplatte ungefähr ein Drittel günstiger sein als ein einfacher Keller. Nicht berücksichtigt sind die Mehrkosten, wenn im Erd- oder Dachgeschoss Ausgleichsflächen geschaffen werden müssen.

Außerdem kostet eine Bodenplatte Geld. Schließlich wird nicht einfach eine Betonplatte auf das Erdreich gesetzt. Der Bodenplatte kommt eine statische Bedeutung zu. Außerdem isoliert sie das Haus und dichtet es gegen aufsteigende Feuchtigkeit sowie Kälte ab. Die Abflussleitungen verlaufen auch in der Bodenplatte oder darunter. Der Grundriss spielt bei den Kosten ebenfalls eine Rolle. Für die Kosten der Bodenplatte bekommt der Bauherr ein Drittel bis die Hälfte vom Keller, aber mit Mehrwert in Form von Stauraum.

So viel Geld lässt sich ohne Keller sparen

Wer die reinen Baukosten zwischen Keller und Bodenplatte herausfinden möchte, sollte sich beide Varianten anbieten lassen. Wie hoch die finanzielle Differenz zwischen beiden Lösungen ausfällt, liegt an den individuellen Gegebenheiten. Dabei spielen unter anderem Bodenbeschaffenheit und Grundwasserstand, Hanglage oder Oberflächenwasser eine Rolle.

Während bei einem Projekt die Differenz zwischen Rohkeller und Bodenplatte nicht einmal 10 Tausend Euro beträgt. Bei anderen Vorhaben kann der Differenzbetrag bei über 50 Tausend Euro liegen. Bei der Kalkulation sollte man die Folgekosten nicht vergessen. Diese fallen für Putzer, Maler, Estrichleger, Fußbodenaufbau, Heizungsanlage, Elektro-Installation, Türen und eventuell der Außenzugang. Diese Kosten liegen bei einem Keller höher als bei einer Bodenplatte.

Viele Bauherren entscheiden sich aufgrund der recht immensen Kostendifferenz gegen einen Keller und für eine Fundamentplatte. Allerdings muss dann alternativ im Erd- und Dachgeschoss extra Stauraum eingeplant werden. Dies kann auch relativ teuer werden. Eine Bodenplatte ist zu empfehlen, wenn der Kellerbau schwierig wäre und das Bauland billig ist, so dass man einen beliebig großen Grundriss erstellen kann. Dann ist der Platz auch ausreichend für Abstellräume im Erd- und Dachgeschoss.

Bei den verschiedenen Keller- und Bodenplattenausführungen gibt es ebenfalls deutliche Preisunterschiede. Diese haben folgende Ursachen:

  • Kellergröße, Ausführung und Grundstücks-Gegebenheiten
  • Teilunterkellerung
  • Keller als Abstellraum günstiger als ausgebaut zu Wohnzwecken
  • Erdaushub im Preis enthalten?

Selbst wenn man keinen Keller einplant, müssen doch nicht unerhebliche Kosten für den Erdaushub und die Fundamentplatte einkalkuliert werden. Die Gründung muss in einer frostsicheren Tiefe erfolgen, die bei ungefähr 80 bis 100 Zentimetern liegt.

Vorteile: Unterkellerung im Vergleich zu einer Bodenplatte

Der Keller bietet zusätzliche Nutzfläche für Hobbyraum, Technikraum, Sauna, Partykeller, Gästezimmer usw. Durch den Keller erweitert sich die Netto-Nutzfläche des Hauses um 40 Prozent. Dabei kostet diese Erweiterung lediglich bis zu etwa 5 Prozent der Gesamtkosten. Er schafft einen Platzgewinn im Garten, da die Lagerräume im Keller liegen (ideal bei kleinen Grundstücken).

Auch im Haus wird Platz gewonnen, da Technik (Heizung, Anschlüsse usw.) ausgelagert werden kann. Für spätere Lebensphasen oder Aktivitäten hat man eine Platzreserve im Keller, zum Beispiel für ein Arbeitszimmer. Häuser mit Keller haben einen höheren Wiederverkaufswert. Bis zu einem Viertel mehr lässt sich bei einem Verkauf erzielen, wenn das Haus unterkellert ist.

Keller sind energieeffizient und tragen zu einer Verbesserung des Raumklimas bei. Da der Keller im Erdreich liegt und aus einer immensen Betonmasse besteht, wirkt er als Wärmepuffer. Dadurch lässt sich der Energieverbrauch senken. Bei Niedrig-Energiehäusern können so 9 Prozent des gesamten Heizwärmebedarfs ein. In den Sommermonaten erzielt der kühle Keller ein bis zu 12 Prozent besseres thermisches Verhalten. Er wirkt das ganze Jahr über wie eine natürliche Klimaanlage.

In der warmen Jahreszeit führt der kühle Keller die Wärme vom Haus ab, so dass es sich nicht so schnell aufheizt. In den kalten Monaten speichert der Keller aufgrund seiner großen Masse die Wärmeenergie aus dem warmen, umgebenden Erdreich. Oberirdische Räume werden von kühler Außenluft umgeben und können keinerlei Wärme aufnehmen und speichern. Durch eine gute Dämmung von Kellerdecke und Außenwänden werden Einsparungen beim Heizwärmebedarf erzielt.

Außerdem bietet ein Technikraum im Keller ausreichend Platz für alternative Energieträger, wie Holzpellets und die entsprechenden Heizungen. Auch weitere innovative Systeme, wie die Anschlüsse für die Solartechnik findet im Keller einen guten Platz. Darüber hinaus werden die Hausanschlüsse für Wasser, Strom sowie Telefon in den Keller verlagert.

Häuser mit Keller haben einen besseren Wiederverkaufswert. Sollte man sein Haus also einmal verkaufen müssen, bekommt man mehr Geld als bei einem Gebäude mit Bodenplatte.

Keller, die aus Beton-Fertigteilen bestehen, reduzieren erheblich die Bauzeit. Ein Fertigkeller wird innerhalb weniger Tage von Fachleuten fertig montiert. In den Fertigteilen sind Ablaufleitungen, Leerrohre, Installationsschlitze, aber auch Fenster- sowie Türöffnungen eingearbeitet.

Vorteile einer Bodenplatte im Vergleich zu einem Keller

Als reiner Abstellraum ist ein Keller zu teuer. Auch Dichtbetonkeller verschlingen eine Menge Kosten. Bei nicht hundertprozentig sauberer Arbeit können Probleme bei der Dichtheit auftreten. Nach 10 bis 20 Jahren ist eine Kellersanierung notwendig, die aufwändig und teuer ist. Im Haus hat man einen Platzverlust durch die Kellertreppe (Stiege). Der Keller bietet oft keinen vollwertigen Wohnraum, weil nur selten Tageslicht einfällt, die Aussicht meist begrenzt ist und auch eine höhere Luftfeuchtigkeit in den Räumen besteht.

Aufbau Bodenplatte, Verlegung und Dämmung

Die Bodenplatte wird auf ein sogenanntes Streifenfundament gelegt. Die Platte trennt das Haus vom Erdreich. Bei den Bodenplatten gibt es verschiedene Dicken. Muss die Bodenplatte statische Voraussetzungen erfüllen, also das Haus tragen, dann muss sie dicker und gut bewehrt sein sein. Die Bewehrung besteht aus Eisenstangen und einem Gitternetz, das miteinander verflochten wird. Dieses Geflecht stabilisiert den Beton.

Das Streifenfundament wird auch Frostriegel oder -schürze genannt. Es muss etwa 80 bis 100 cm in den Erdboden hineinragen. Die Wärmebrücke vom Fundament zur Bodenplatte bleibt unberücksichtigt. Bei den Häusern, die hoch wärmegedämmt sind sowie bei Passivhäusern wird oft eine XPS-Dämmung auf die Rollierung aufgebracht. Die Rollierung nennt man auch kapillarbrechende Schicht. Sie besteht aus losem Gestein und dient dem Wasserabfluss (Regenwasser). Dadurch verhindert sie Frost in diesem Bereich. Die Bodenplatte wird auf dem Fundament schwimmend betoniert. Das bedeutet, man lässt ringsherum einen schmalen Abstand, damit sich das Material bei Wärme ausdehnen kann.

Die Dämmung kann auch um ca. 80 cm vergrößert werden. Dann wird das Streifenfundament nach oben geklappt und ragt nicht ins Erdreich hinein. Diese Lösung ist kostengünstiger. Ideal dafür ist eine Schaumglasdämmung. Zwar ist diese zunächst teurer, aber langfristig spart sie Kosten. Der Schaumglasschotter trägt die Lasten mit ab und unterstützt die Statik (Stabilität) des Hauses. Außerdem kann das druckfeste Schaumglas auch das Streifenfundament oder die Schotter-Schicht überflüssig machen.

Aufbau eines Kellers inklusive Dämmung

Auch hier bildet die Basis das Fundament. Es nimmt die Last des Hauses auf und leitet sie in den Untergrund. Wichtig ist, dass der Boden nicht nachgibt. Weil aber die Bodenbeschaffenheit variieren kann, gibt es für ein Fundament keine Universallösung. Ja nach Untergrund kommen Streifen-, Punktfundamente oder Fundamentplatten. Die geschlossene Betondecke bildet die Bodenplatte.

Frühere Kellerböden bestanden aus gestampftem Lehm. Allerdings waren diese Häuser nicht nach unten abgedichtet. Das ist wichtig wegen der aufsteigenden Feuchtigkeit sowie auch für den Wärmeschutz. Von der Tragfähigkeit des Bodens hängt die Art des Fundaments ab. Streifenfundamente kommen unter tragende Wände. Sie müssen etwa doppelt so breit sein, wie die Wände, die auf dem Fundament stehen. Einzelne Streifenfundamente verbindet die geschlossene
Betondecke. Sie fällt meist dünner als die Fundamentplatte, deren Dicke auch über 30 cm liegen kann.

Auch beim Keller ist eine Dämmung zu empfehlen. Alternativ muss die Kellerdecke gedämmt werden. Es gibt jedoch verschiedene Fertig-Systeme auf dem Markt, einige enthalten sogar eine Fußbodenheizung. Den Einbau von Heizestrich kann man sich in diesem Fall sparen. Wie auch bei der Bodenplatte kommt eine kapillarbrechende Schicht (Rollierung) zwischen Erdreich und Bodenplatte. So kommt kann Feuchtigkeit im Haus nach oben steigen. Außerdem würde sonst der Wechsel zwischen Frost- und Tauwetter zu Untergrundbewegungen führen. Allerdings sind Streifenfundamente aufwändig und manchmal kompliziert zu erstellen, was abhängig vom Grundriss ist.

Dann können alternativ Punktfundamente genutzt werden. Diese eignen sich besonders für Gebäude mit Pfeilern für den Last-Abtrag. Wichtig ist eine frostfreie Gründung. Fundamente im Bergland müssen tiefer gegründet werden, ungefähr bis zu einem Meter tief, sonst reichen ca. 80 cm. Häufig stellt dies ein Problem dar, wenn kein Keller eingeplant ist. Alternativ kann außen ein umlaufendes Streifenfundament eingebaut werden oder aber eine Frostschürze, die ebenfalls rund ums Haus führt.

Aufbau Fundament

  • kapillarbrechende Schicht (Kies oder Schotter)
  • Sauberkeitsschicht (beispielsweise aus Magerbeton)
  • Dämmschicht (beispielsweise XPS-Platten) ober- oder unterhalb der Bodenplatte
  • Feucht-Isolierung mit PE- oder PVC-Folien
  • Alternative: Glasschaum-Granulat (auf Dämmung gegen das Erdreich kann verzichtet werden)
  • Bodenplatte kommt direkt auf Glasschaum-Granulat
  • die Bodenplatte sollte gut austrocknen, je nach Restfeuchte kommt noch eine Folie darüber
  • darauf kommen die Mauern oder ein Fertigteil-Haus

Aufbau eines Fertigkellers

Bei einer guten Vorbereitung kann ein Fertigkeller bereits nach nur einem Tag fertiggestellt sein. Die Bauleitung vor Ort übernehmen die Kellerbauer. Sie sorgen dafür, dass alles reibungslos abläuft und der Terminplan eingehalten wird. Zunächst muss Erdboden bewegt werden, der sogenannte Bodenaushub. Danach wird die Bodenplatte gegossen, nachdem Armierungseisen und -gitter eingeflochten wurden für eine bessere Stabilität.

Bereits im Werk werden Wände und Decken individuell auf Maß vorbereitet. Schritt für Schritt werden sie vor Ort auf der Baustelle angepasst. Da der Beton vor dem Guss eingeschalt wird, werden die Wände sehr glatt und man muss nicht putzen. Das ist ein großer Vorteil gegenüber Kellern aus Ziegelmauerwerk. Nach der Montage müssen die Zwischenräume verfüllt werden. Durch das Ausgießen entsteht ein Betonkern, der durchgehend ist und keine Fugen aufweist.

Wer den Keller als zusätzlichen Wohnraum, beispielsweise als Partykeller, Gästezimmer oder Büro nutzen möchte, sollte dies von vornherein einplanen. Für Wohnräume sind bestimmte Raumhöhen vorgeschrieben. Beheizte Kellerräume müssen rundum gedämmt werden, um Energieverluste zu vermeiden. Sollte der Bauherr den Keller als Einliegerwohnung nutzen, ist ein separater Zugang selbstverständlich. Wenn der Keller als Abstellraum dienen soll und zur Wohnung hin abgeschlossen ist, dann wird eine Dämmung zwischen dem Gebäude und dem Untergeschoss eingebaut.

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